Das Richtschwert
Vor Zeiten zeigte man in Zürich ein großes zweischneidiges Schwert, das war nahe unter dem Griff zusammengeschweißt. Von diesem Schwerte ward erzählt, es sei ein Richtschwert gewesen, das habe jedes Mal, wenn einem armen Sünder von den Richtern das Todesurteil gesprochen, einen hell schrillenden Ton gegeben. Neun und neunzig Mal sei es so erklungen, neun und neunzig Köpfe habe es gefällt, als aber das Hundert voll, sei es gesprungen und es also zusammengeschweißt von da an als unbrauchbar bei Seite gestellt worden.
C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.