Die weisse Jungfrau am Margarethenbrunnen
Nicht weit von den letzten Resten der Burg Bischofsstein, am Fuße der sissacher Flue, ist ein Brunnen, der St. Margarethenbrunnen, der sich jetzt in die Ergolz ergießt. An diesem Brunnen sah man noch vor fünfzig Jahren eine Jungfrau, fein und zart von Angesicht und weiß gekleidet, oftmals bei hellem Sonnenschein lustwandeln. Wann sie dies eine Weile getan, ließ sie sich an dem Brunnen nieder, löste und strählte ihr Haar, das ihr in vielen Locken auf Schultern und Nacken fiel und in der Sonne wie das lauterste Gold erglänzte. So saß sie, als ob sie irgend Jemand sehnend erwartete, oftmals stundenlang; sobald aber die Sonne sich zum Niedergang neigte, stand sie auf und kehrte ihr goldenes Haar wieder zusammenflechtend traurig nach der Burg Bischofsstein zurück, von der sie gekommen. Von dieser Jungfrau heißt es, sie habe auf Erlösung geharrt, diese sei aber erfolgt, als einst ein junges Mädchen aus dem Dorfe es gewagt, der geheimnisvollen Fremden Kammerjungferndienste anzubieten und ihr die aufgelösten Haare wieder zurecht gebunden habe.
C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.