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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Sagen vom grünen See 1

Land: Schweiz
Kanton: Waadt
Kategorie: Sage

Früher herrschte auf dem im Untern Ormundtale, bei dem Berg Chavonnaz gelegenen See Seray – welcher wegen seiner grünen Farbe auch der „grüne See" genannt wird – ein schneeweiß gefiederter Drache. Wenn er mit seinen langen, breiten Flügeln auf dem Spiegel dahinruderte, verschlang er alles übrige Geflügel – wilde Enten und Gänse –, was er auf demselben antraf, so dass binnem kurzen von solchen Nichts mehr zu sehen war; wenn sich aber junge und schöne Mädchen seinem Ufer nahten, da schwamm er langsam und hellsingend an das Ufer, um sie nicht zu erschrecken, und aß gar fein und zierlich den süßen Zieger oder den frischen Käs, den sie ihm darreichten, und entlockte seiner Kehle, während er die wunderbarsten Schwimmkünste machte, wie aus Dankbarkeit, die klarsten und süßesten Töne, bis er untertauchte und verschwand.

C. Kohlrusch, Schweizerisches Sagenbuch. Nach mündlichen Überlieferungen, Chroniken und anderen gedruckten und handschriftlichen Quellen., Leipzig 1854.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.