Der Kettenhund von Lauterbrunnen
In alten Zeiten kam beim Schnierahorn in der Wegmitte zwischen Lauterbrunnen und Wengen oft zu Neumondnachtzeit bei Sturmwetter ein riesigmächtiger Hund zum Vorschein. Der hatte feurige Augen, tellergross und schleppte eine glühende, eiserne Kette nach. Mit dieser kam er herunter bis auf die Eybrücke gerasselt, bellte und jaulte schauerlich über alle Massen, dass das Echo zwischen Staubbach- und Schiltwaldfluh hin und her geworfen wurde.
Niemand wusste, was es mit dem Untier für eine Bewandtnis hatte, niemand wagte es, sich ihm in den Weg zu stellen, aber alle zitterten, wenn sie die grässliche Kette die Wengenkehre herunterschleifen hörten.
Quelle: Hans Michel, Ein Kratten voll Lauterbrunner Sagen. Wengen 1936.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.