Erzählen
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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die Holzmietterren

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Die Holzmietterren ist ein krummes, graues Weiblein, das an einem Stecken geht. Sie kommt, wenn kleine Buben und Mädelchen böse sind und nicht folgen wollen, aus dem Wangwald ob dem Dorfe herunter gehumpelt und macht dann Ordnung. Besonders gleitig aber ist sie da, wenn ein Mädelchen sich von der Mutter nicht strählen lassen will und lieber ungestrählt im „Strudel“ als „Stridel“ auf die Gasse geht. Aber wohl, der Holzmietterren entwischt so ein Mädelchen nicht. Sie packt es an den unordentlichen Haaren, wo sie so guten Griff hat, und fährt mit einem eisernen Strähl darein und strählt so hart und fest, dass es dem unfolgsamen Ding heftig weh tut und ihm das Augenwasser nur so über die Backen läuft.

Jetzt erscheint die Holzmietterren nicht mehr. Vor vielen Jahren ist sie gestorben und ihr Grab ist in dem stotzigen Rain ob dem Dorfe, „in den Talen“ sagt man dem Ort.

Auch in Schwanden war eine Holzmietterren. Die wohnte aber nicht in einem Walde, sondern in einer Felsenhöhle, Fohndloch geheissen, in der Fluh neben dem Schwandenbach.

Quelle: Albert Streich, Brienzer Sagen, Interlaken 1938.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch