Das Totengässlein
So heisst das schmale Gässlein, das ausserhalb der westseitigen Einfassungsmauer des Brienzer Friedhofes verläuft und das Seeufer mit dem alten Fuhrweg nach Interlaken und zwischenhinein mit dem Gottesacker selbst verbindet.
Das Gässlein soll zur Pestzeit angelegt worden sein, als die Leute von Oberried genötigt waren, ihre Toten auf dem Seeweg nach Brienz zu bringen. Da legten denn die vielen traurigen Schiffsfuhren am Ufer an, die Schiffsleute luden die Totenbäume auf die Schultern und trugen sie das Gässlein hinauf in die Gruben. Die Brienzer dagegen, die von der Pest anfangs verschont geblieben, betraten den Friedhof von einer andern Seite.
Quelle: Albert Streich, Brienzer Sagen, Interlaken 1938.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch