Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Glas auf dem Brunnen

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

In grauer Vorzeit siedelten auf dem breiten Rücken der Oltschiburg, hoch über dem Wasser der Niederung und weiten Bergwäldern, die ersten Anwohner der Gegend. Eine Quelle, die heute noch weniges unter dem Gipfel dieses Berges als dünnes Wässerlein aus den Felsen rinnt, bot den Menschen willkommenen Trank, und das Wild in den Waldestiefen der Umgebung jagten sie sich zur Nahrung.

Eines Morgens, als einer der Bergbewohner Wasser schöpfen wollte, war die Quelle zugefroren. Der Mann meldete seinen Leuten, es sei Glas auf dem Brunnen, eine rauhe Zeit stehe bevor; worauf diese sich sogleich beratschlagten, den bisherigen Wohnsitz aufzugeben und sich tiefer am Berg irgendwo anzusiedeln. So stiegen die Leute von ihrem luftigen Sitze auf freier Bergeshöhe herab, durchstreiften die Wälder nach einem neuen Wohnplatz und kamen dabei in die beiden kleinen Täler, das Gau und das Tiefental. Hier waren sie vor den rauhen Winden geschützt, und da an beiden Orten klare Quellen der Erde entsprangen, beschlossen sie, da ihre Wohnstätten aufzuschlagen.

Quelle: Albert Streich, Brienzer Sagen, Interlaken 1938.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch