Die Planälpler machen einen Raubzug ennet den Grat
Einstmals taten sich einige Planälpler zusammen und stahlen sich im Vernachten durch das Chruterengässli über den Grat ins Entlebuchische. Im obersten Stafel der nachbarlichen Alp nahmen sie, derweil die Entlebucher Älpler in einer Hütte zu Dorf und beim Spiele sassen, den im Läger ruhenden Kühen die Glocken ab, verschoppten die Challen mit Gras und banden das ganze Geschelle mit einem Hälsig zusammen. Dann trieben sie das Vieh hübscheli im Schutze der Nacht zusammen und bergwärts über den Grat auf Brienzerboden hinüber.
Ein verwegener Bursche und guter Bergläufer aber war mit den zusammengebundenen Glocken zu der Hütte der Entlebucher geschlichen. Als er annehmen konnte, die andern seien mit der gestohlenen Ware in Sicherheit, warf er seinen Bündel durch das Fensterli in das Stubeli hinein auf den Tisch, mitten in die Spieler, dass es einen mächtigen Krach gab. Er sah dann noch, wie die Leute entsetzt aufsprangen, sich bekreuzigten, dann hasete er ab.
Als die Entlebucher endlich erkannten, dass es ihre eigenen Glocken waren, zogen sie sogleich aus, den Viehdieben nach. Diese waren aber längst über alle Berge, und den Verfolgern blieb diese Nacht nichts anderes übrig, als zu beratschlagen, wie sie wieder zu ihrer Ware kommen und ein andermal an den Brienzern Rache üben wollten.
Quelle: Albert Streich, Brienzer Sagen, Interlaken 1938.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch