Wo soll ich ihn hintun?
Im Schlatti, einem Teil der ehemaligen Bergstatt Tiefental auf dem Brienzerberg, sahen die dort hausenden Leute in hellen Mondscheinnächten einen unbekannten Mann einem Haggsträss nach hangauf und hangab laufen. Zu seinem rätselhaften Gebahren rief der Unbekannte immerzu mit einer Stimme, die den Leuten das Gruseln vollends beibrachte:
„Wo soll ich ihn hintun?
Wo soll ich ihn hintun?“
Die Leute waren der Erscheinung bald überdrüssig, wagten es aber nicht, etwas gegen sie zu unternehmen. Endlich fasste sich ein Bursche ein Herz und rief dem Unheimlichen auf sein Sprüchlein den barschen Bescheid zu: „Dahin, wo du ihn genommen hast!“ Die Erscheinung war ein Marchgänger gewesen, der zu Lebzeiten falsch gemarchet hatte und dafür büssen musste. Seitdem der Bursche ihm die Antwort nicht schuldig geblieben, sah und hörte man nichts mehr von ihm.
Quelle: Albert Streich, Brienzer Sagen, Interlaken 1938.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch