Erzählen
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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Stier und Bär in der Aerggelen

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Der Axalpstafel Kuhmahd reicht auf der Abendseite tief in das Giessbachtal hinunter. Die Weiden beim Bach heissen Aerggelen; stotziger wilder Wald auf drei Seiten und übereinander liegende hohe Felsbänder schliessen den Ort von aller Welt ab, es ist eine gottverlassene Gegend, in der sich Has' und Fuchs gut' Nacht sagen. Dort an einer Stelle, Uschboden genannt, fiel einst ein Alpstier einen wildernden Bären an, trieb diesen auf eine nahe grosse Tanne zu und spiesste ihn mit einem scharfen Stoss seiner spitzen Hörner an das grüne Holz, dass Meister Petzens Knochen krachten. Da sein Widersacher bald kein Lebenszeichen mehr tat, glaubte der Stier, der Strauss sei aus und wollte sich zurückziehen, im selben Augenblicke aber fiel ihm der tote Bär mit allem Gewicht vornüber zwischen die Hörner. Muni fasste das als neuen Angriff auf und stiess wieder zu. Der brave Muni! Er wurde den Bären nimmer los! So oft er auch von ihm abliess, immer wieder kriegte er den zottigen Kerl zwischen die Hörner, und immer wieder musste er ansetzen zum fürchterlichen Stoss, bis auch ihn die Kraft verliess und er selber mit dem toten Bären tot umfiel.

Die Tanne hat in späteren Jahren der Sturm in Mannshöhe abgebrochen, der Storzen stand noch bis zu Grossvaters Besinnen.

Quelle: Albert Streich, Brienzer Sagen, Interlaken 1938.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch