Der Zyland
Vor alten Zeiten kam einmal zu den Leuten in Obegg bei Zweisimmen um die Zeit der Heuernte ein junges Zwerglein, setzte sich neben die Heuer und blickte ihrer emsigen Arbeit zu, als ob es dieselbe ebenfalls erlernen wollte. Die Leute hatten ihre helle Freude an dem winzigen Beobachter. Da sie ihn aber über die Zukunft ausfragen wollten, haschten sie nach ihm und fingen ihn. Jetzt erschien am Waldrande der alte Zwerg und schrie:
Sie mögen dich ertränken,
Sie mögen dich erhenken,
Sie mögen dich erstechen,
Dir Arm und Beine brechen:
Fürcht’ weder ihre Macht noch List,
Doch sag’ nicht, wofür der Zyland* ist.
*Seidelbast, der zum Öffnen geheimer Schatzgewölbe dienen soll.
Quelle: Hermann Hartmann, Sagen aus dem Berner Oberland. Nach schriftlichen und mündlichen Quellen, Interlaken 1910.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.