Das boshafte Zwerglein
Oberhalb Eerlenbach im Simmentale lebte vor Zeiten ein geiziger Mann. Sein Geiz war so gross, dass er nicht einmal seiner Kuh, die er Vreneli genannt hatte, das Futter gönnte. Er verkaufte lieber sein Heu. Darob wurde die Kuh mager wie ein Gerippe. Als aber der Frühling kam, trieb der Bauer seine Kuh auf s Feld hinaus und freute sich, als er sah, wie gierig sie die grünen Kräuter verschlang. Hielt sie einen Augenblick inne, so rief er ihr zu: "Cheu, Vreneli, cheu. - Gras spart Heu." Das Zwerglein, das in der Nähe auf einem Steine sass und zusah, wie das arme Tier vor Heisshunger frass, bis es erstickte, gönnte dem Geizigen den Schaden und rief ihm jetzt höhnisch zu:
Bäuerlein, Bäuerlein, ha, ha, ha!
Sälber ta muess sälber ha.
Hättest du dies sälber ta,
So müesstist du drum d’s Läbe Iah.
Quelle: Hermann Hartmann, Sagen aus dem Berner Oberland. Nach schriftlichen und mündlichen Quellen, Interlaken 1910.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.