Das Geschlecht der Kienholz
Vor einigen hundert Jahren wurde das Dörflein Kienholz, zwischen Brienz und Meiringen, von einer Erdlawine zugrunde gerichtet und zum Teil in den Brienzersee hinausgeschwemmt. Eine Zeitlang darnach fuhr ein Karrer des Orts, der von der Sust zu Tracht nach Meiringen Waren führte, über den hohen Steinschutt. Sein Gaul zeigte sich stets an derselben Stelle unruhig, der Hund scharrte im Boden und beide wollten nur ungern vom Fleck. Endlich fing der Karrer daselbst an zu graben und kam bald an das Gewölbe eines Kellers. In diesem fand er einen alten Mann und einen Knaben des verunglückten Dorfes noch lebend vor. Die beiden hatten lange Zeit hindurch in dieser Gruft mit Wein und Käse und herabsickerndem Wasser sich das Leben gefristet. Man half den beiden heraus, allein der Greis starb in kurzer Weile an der frischen Luft. Der Knab e dagegen lebte fort und sein Name ward zum Andenken an das furchtbare Unglück in Kienholz abgeändert.
Quelle: Hermann Hartmann, Sagen aus dem Berner Oberland. Nach schriftlichen und mündlichen Quellen, Interlaken 1910.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.