Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Des Beatus Wundermantel

Land: Schweiz
Kanton: Bern
Kategorie: Sage

Beatus zog einst von seiner Felsenwohnung, vor welcher er um Heil der Bewohner eine Kapelle errichtete, zu den Leuten im Üchtland, am andern Ufer des Thunersees. Da er aber kein Schifflein besass, um hinüberzukommen, verlieh ihm Gott die Wundergabe, auf seinem Mantel über den See zu fahren.

Einst aber wollte der Heilige wie gewohnt auf seinem, von Engeln gewirkten Zaubermantel über den See fahren. Doch kaum war er einige Klafter weit vom Lande entfernt, so versagte der Mantel den Dienst, drehte sich ringsum, schwankte bedenklich auf die Seite und fing sogar an rückwärts zu treiben. Vergeblich war Beatens Rudern. Solches war ihm nie zuvor begegnet. Er dachte nach und plötzlich schlug ihm das Gewissen. Er hatte im Heruntersteigen in der Gegend von Merligen einen Zaunstecken ausgerissen um ihn als Stütze zum Wandern und zugleich als Ruder bei der Seefahrt zu brauchen. Das war ein Unrecht; er hatte fremdes Gut entwendet. Sofort kehrt Beatus um und bringt den mitgenommenen Stecken zurück an seinen Platz. Jetzt gelingt die Mantelfahrt wieder. Einem schwimmenden Schwane gleich erreicht er das jenseitige Ufer.

Quelle: Hermann Hartmann, Sagen aus dem Berner Oberland. Nach schriftlichen und mündlichen Quellen, Interlaken 1910. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.