Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die schlaue Frau

Land: Schweiz
Kanton: Graubünden
Kategorie: Schwank

Ein Bauer, der bis an den Hals im Dreck steckte, sagte einmal, um da herauszukommen, hätte er nichts dagegen, mit dem Teufel einen Vertrag abzuschliessen.

Auf einmal stand der mit den Geissfüssen leibhaftig vor ihm und fragte, was ihm fehle. Wenn er mit ihm einen Vertrag machen wolle, so sei er dazu bereit, er wolle ihm aus dem Elend heraushelfen und ihm mehr als genug Geld geben, so lange er Arbeit für ihn habe. Dem Bauern war dies recht, denn er dachte: «Oh, Arbeit habe ich zu vergeben bis zum Geht-nicht-mehr!»

Also machte er den Vertrag mit dem Bösen, wie der es ihm vorschlug. Der Teufel aber war immer gleich mit der Arbeit fertig, die der Bauer ihm gab, und der konnte nicht begreifen, weshalb der Teufel so einen drauf hatte. Und schon kriegte er Angst, er könne ihm nichts mehr auftragen.

Da kam der Frau in den Sinn, dem Teufel schwarze Wolle zum Waschen zu geben, bis diese weiss sei. Der Teufel strengte sich dabei zünftig an, aber zuletzt musste er doch klein beigeben. Denn er musste einsehen, dass es nichts gibt, um schwarze Wolle weiss zu waschen. Er merkte, dass er diesmal in die Falle gelaufen war, und er konnte nichts anderes tun, als dem Bauern weiterhin ohne Wenn und Aber Geld zu zahlen.

 

Aus: Die drei Winde, Rätoromanische Märchen aus der Surselva, Caspar Decurtins/Ursula Brunold-Bigler, Desertina Verlag, Chur 2002. © Ursula Brunold-Bigler.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch