Der Hundemensch
Es war einmal ein König, der war sehr hart, wenn es um das Zahlen der Steuern ging. Armen Leuten, die nicht zahlen konnten, nahm er alles weg, was sie hatten.
Da war einmal ein armer Mann, der hatte viele Kinder. Nachdem der Vater gestorben war und die Kinder die Steuern nicht zahlen konnten, liess der König ihre einzige mickerige Kuh holen und in den Stall zu seinen Tieren stellen. Aber am andern Morgen waren alle Kühe des Königs tot, ausser der grossen, hässlichen.
Der König liess den Metzger kommen, um die Kühe zu häuten. Als der Metzger einer Kuh ein Stück Haut abgezogen hatte, nahm der König ein Messer und haute ein Stück Fleisch ab. Er ging vor die Stalltüre, warf das Fleisch zum Kruzifix hinauf, das über der Türe hing, und rief: «Hier nimm das Aas und friss es!» Aber in dem Augenblick wurde der König in ein Wesen halb Hund, halb Mensch verwandelt. Von da an musste er immer Aas fressen, bis er tot war.
Thompson Motiv Q 551.3.2.7 (Bestrafung: Verwandlung in einen Hund)
Aus: Die drei Winde, Rätoromanische Märchen aus der Surselva, Caspar Decurtins/Ursula Brunold-Bigler, Desertina Verlag, Chur 2002. © Ursula Brunold-Bigler.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch