Die gekrönte Schlange zu Niederlenz
Südwestlich vom Dorfe Niederlenz liegt im ebenen Fruchtfelde ein anmutiger Hügel, mit hohem Grase reich überwachsen und mit vielen Kirsch-und Apfelbäumen bepflanzt.
Eine einzelne Vertiefung auf seiner Höhe, aus welcher man allerlei Scherben-und Ziegeltrümmer ausgegraben hat, soll den Standort eines verschwundenen Schlosses angeben und zugleich den glücklichen Finder zu ganz ausserordentlichen Reichtümern führen. So hat es die Prinzessin erklärt, als sie einst an diesem Hügel vorüberfuhr und die hier liegenden Schätze in ihrem Bergspiegel erblickte. Ein Bauer war der Sache bereits auf der Spur, er hatte hier einen ehernen Hafen voll viereckiger Goldmünzen ausgegraben.
Aber der Berner Landvogt, der damals auf dem Schloss Lenzburg regierte, nahm ihn dem Manne weg unter dem Vorgeben, es sei die Schatzgräberei verboten, und so ging alles wieder verloren.
Noch jetzt lässt sich hier zur Zeit der Tag-und Nachtgleiche eine weisse Schlange blicken, die Weihnachtsschlange. Sie ist gekrönt und trägt einen goldenen Schlüsselbund mit sich zu den Kisten und Kasten im Hügel.
Quelle: E. L. Rochholz, Naturmythen. Neue Schweizer Sagen, Leipzig 1862
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch