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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die Schlange zu Linn

Land: Schweiz
Kanton: Aargau
Region: Bözberg
Kategorie: Sage

Zur Zeit der Pest im Jahre 1610 war das Kirchdorf Linn auf dem Bözberge noch der Begräbnisplatz dreier Nachbardörfer. Als man damals die vielen Leichen nicht mehr auf dem einen Kirchhof unterbringen konnte, grub man auf dem benachbarten Felde eine tiefe Grube, warf die Toten unterschiedslos, wie sie nackt oder mit Kostbarkeiten geschmückt hergeschafft wurden, in sie hinab und pflanzte schliesslich eine Linde auf den Platz.

Dies ist die grosse Linde von Linn, die nun ihre 251 Jahre steht. Vor Alter ist ihr Stamm gespalten; in ihrer Höhlung, heisst es, haben grosse Schlangen ihren Wohnsitz und hüten die Schätze, die hier einst mit den Leichen in die Erde gelegt worden sind. Wer in die Klüftung des Baumes hineinsteigt, um den Geistern das ihrige zu nehmen, der muss auf der Stelle sterben.

 

Quelle: E. L. Rochholz, Naturmythen. Neue Schweizer Sagen, Leipzig  1862

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch