Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Das Buuser Kühloch

Land: Schweiz
Kanton: Basel
Kategorie: Sage

Im sanft gerundeten Rücken des Schönenbergs gähnt eine abgründige, senkrechte Kluft in die Tiefe. Mehrere Sekunden lang hört man das Poltern eines hinabgeworfenen Steines. Es mag vorgekommen sein, dass früher gefallenes Vieh hier versenkt wurde, was vielleicht zum Namen Anlass gab. Oder man nannte es so, weil es «kühmässig» gross ist. In dieses Loch fiel vor mehr als 100 Jahren ein Mann, als er mit Weidenschneiden beschäftigt war. Glücklicherweise stürzte er aber nicht in die grausige Tiefe, sondern blieb auf einem Felsvorsprung unverletzt liegen. Rebmesser und Schuhe legte er in eine seitliche Spalte und schaffte sich glücklich wieder herauf, indem er eine enge, seitliche Kluft benützte. Als Männer mit Seilen und Leitern hinunterstiegen, fanden sie die erwähnten Gegenstände. Ohne diese untrüglichen Beweisstücke hätte niemand geglaubt, dass der Verunfallte aus der Tiefe selbständig ans Tageslicht gelangt wäre.

Ein anderes Mal soll ein Jagdhund in das Kühloch gefallen sein. Sein Besitzer wagte sein eigenes Leben, um das Tier zu retten. Er liess sich in den dunkeln Schlund abseilen. Plötzlich sprang der Hund auf seinen Rücken und klammerte sich fest. So wurde er gerettet, doch sein Herr erlitt dabei einen so heftigen Schrecken, dass er an dessen Folgen starb.

Quelle: G. Müller/P. Suter, Sagen aus Baselland, Liestal 1939.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch