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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Glockenguss zu Oltingen

Land: Schweiz
Kanton: Basel
Kategorie: Sage

«osana / heis / ich / die / gemeinne / von / oltinen / macht / mich / meister / hans / meiger / von / wissen / borg / gos / mich / in / er / maria / s / niclause + anno / domini / mcccclxxxxii».

Diese Inschrift ziert mit ihren schönen gotischen Kleinbuchstaben die grösste Glocke der Niklauskirche von Oltingen. Von dieser Glocke geht die Sage, dass sie Silber enthalte und auf dem Spielhof zu Oltingen gegossen worden sei.

My Grossmueter, da`sch die, wo fascht hunderti worde n-isch – und sie het no-n-äs guets Gedächtnis gha – het abe gseitdie Glogge syg z’Oltige gosse worde. Do syg eini derzue cho, e Rychi, e Burgfräulein syg si gsi uf im Zig obe: es Hus heig si gha dort obe, und Zusanni heig si gheisse. Dernoh heig ’s nit glängt (das Glockenmetall). Und do syg die noh mit eme Schurz voll Brawänder (Brabantertaler) cho und heig se dry gschüttet. Dernoh heig’s glängt, und me heig die Glogge wäge däm Zusanni tauft.

Dernoh het d’Grossmueter abe gseit drüberabe: «Ich weiss jo nit, öb das wohr gsi isch. Aber es het’s gheisse.»

Quelle: G. Müller/P. Suter, Sagen aus Baselland, Liestal 1939.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch