Das Schelmenglöcklein
Unter dem Spalierbaum an der Pfarrhausecke war noch vor einem Jahrhundert eine Glocke angebracht, welche man das Schelmenglöcklein hiess. Das hatte seinen guten Grund; denn einem ehrsamen Pfarrherrn von Langenbruck war einmal während der Nacht von Dieben eingebrochen worden. Der wackere Mann hörte etwas und stellte sich den unliebsamen Gästen in den Weg. Er war aber an die Unrechten gekommen. Einer von ihnen, der eine Grasbähre mitgebracht hatte, offenbar, um darin einen Teil des Hausrates wegzuschleppen, warf dem Gegner das Netz über den Kopf, dann wurde der gute Herr ganz in die Bähre eingewickelt und darin wie eine Speckseite ins Kamin gehängt. Von dort aus durfte er zuhören, wie die Schelmen in seinem Hause aufräumten.
Nach diesem schlimmen Abenteuer bewilligte die Gemeinde ihrem Pfarrer eine Glocke, mit der er fortan das Zeichen geben konnte, wenn in der Nacht etwas nicht in Ordnung war. Das war das Schelmenglöcklein. Es hing viele Jahre dort und liess nie einen Ton von sich hören. Schliesslich wurde es aufs Schulhausdach versetzt und diente der Gemeinde als Schulglöcklein.
Quelle: G. Müller/P. Suter, Sagen aus Baselland, Liestal 1939.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch