Die rächende Kirchenglocke
Während der Trennungswirren wollten einige junge Burschen in Lausen den städtisch gesinnten Dorfpfarrer ärgern, indem sie in der Samstagnacht den Glockenschwengel aushängten, dass die Gemeinde am Sonntagmorgen nicht durch Geläute zur Kirche gerufen werden konnte und zum grossen Teil vom Gottesdienst wegblieb. Jahre und Jahrzehnte gingen über das Land. Aus dem Rädelsführer der jungen Burschen war ein alter Mann geworden, und er starb. Unter Glockengeläute nahte sich der Leichenzug dem Friedhof bei der Kirche. Da verstummte plötzlich die Glocke, und in hohem Bogen fuhr ihr Schwengel aus dem Turmfenster durch die Luft und fiel auf einem Feld nieder. So musste der Mann ohne Glockenklang begraben werden und manche Leute trauten der alten Kirchenglocke zu, sie habe sich gerächt.
Quelle: G. Müller/P. Suter, Sagen aus Baselland, Liestal 1939.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch