Die Geisterpferde
Auf Fürstenstein hauste einst ein grausamer Ritter, der seine Freude daran hatte, die Leute zu plagen. Eines Tages ritt er an einem Hause vorbei, vor dem ein armer Bauer auf einem eichenen Baumstamme sass. Der Ritter hielt an und befahl dem Bauern: «Bis heute mittag müsst ihr diesen Baumstamm auf meine Burg bringen, sonst —!» Mit höhnischem Lachen ritt er davon. Der Bauer klagte seine Not einem Nachbarn. Dieser sagte, er solle sich trösten, er werde ihm schon helfen. Kaum war der Bauer zu Hause, als der Nachbar mit drei schönen schwarzen Pferden heransprengte. In kurzer Zeit war angespannt und im Nu waren alle, Bauern, Pferde und der riesige Baumstamm, oben auf der Burg. Der Ritter war höchst erstaunt und fragte, wie das möglich sei und was das für schöne Rappen seien. «Das sind», antwortete der Bauer, «euer Urgrossvater, euer Grossvater und euer Vater.» Auf diese Worte hin fiel der Ritter bewusstlos zu Boden. Von nun an war er besser gegen seine Untertanen.
Quelle: G. Müller/P. Suter, Sagen aus Baselland, Liestal 1939.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch