Einsetzung eines Gescheidsmannes
Viele Sagen und Spukgeschichten berichten uns, wie Grenzfrevler nach ihrem Tode als feurige Männer oder als unstete Irrlichter den Grenzen nachgehen müssten.
Wie sehr dieser Glaube im Volksdenken verwurzelt ist, zeigt folgende Zeremonie, von der Joh. Rippas in seiner handschriftlichen Heimatkunde von Ziefen berichtet.
«Noch anfangs des 19. Jahrhunderts war es üblich, einen Gescheidsmann mit einer feierlichen Zeremonie in sein Amt einzusetzen.
Das ganze Gescheid in langen schwarzen Mänteln und breiten schwarzen Filzhüten, sowie eine grosse Zahl Bürger beteiligten sich an der Veranstaltung. Von letzteren trug jeder ein Bündel Stroh mit sich. Nicht weit vom Tätschenbrünnli wurde vom Stroh auf einer Anhöhe ein grosser Strohmann gebaut, den man anzündete. Nun wurde das neue Gescheidsmitglied mit feierlicher Rede eingesetzt und ihm ans Herz gelegt, ohne Ansehen der Person nur nach Recht und Gewissen zu handeln. Begehe er Ungerechtigkeiten, so möge er nach seinem Tode brennen wie dieser Strohmann und unstet umherirren wie ein Irrlicht, bis er seine Sünden gesühnt habe.
Quelle: G. Müller/P. Suter, Sagen aus Baselland, Liestal 1939.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch