Eine merkwürdige Frau
Unterhalb Liedertswil befand sich in früheren Jahren ein Fussweg, der von der Hauptstrasse übers Feld gegen den Weigischbach hinüber führte. Heute kann man nichts mehr davon wahrnehmen, nur erscheinen beim Pflügen hier und dort Steine, die an das alte Weglein erinnern.
Es war in der Morgenfrühe eines Herbsttages, als der Liedertswiler Feldhüter an jener Stelle Ausschau nach Obstschelmen hielt. Da kam eine Frau daher geschritten, ziemlich pressant, wie es schien. Sie trug einen roten Rock und sonst eine etwas altertümliche Kleidung. Sie folgte jenem Fussweg und schritt dem nahen Bache zu. Der Feldhüter glaubte hier einen guten Fang zu tun und schlich der Unbekannten lautlos nach. Wie dieselbe aber am Bachbord angelangt war, verschwand sie spurlos, als ob sie der Boden verschlungen hätte. Der Feldhüter kam zum Schlusse, hier müsse jemand erscheinen, der noch nicht zur Ruhe gelangt sei.
Quelle: G. Müller/P. Suter, Sagen aus Baselland, Liestal 1939.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch