Der Mond
Im Mond soll ein Mann mit einem Melkkessel sein. Der war einmal ein hübscher und frischer Senn auf einer Alp.
Eines Abends, als es draussen sehr rau war, kam eine durchnässte und halb erfrorene alte Frau zu ihm und bat, über Nacht bleiben zu dürfen. Aber der Bursche hatte ein kaltes Herz und jagte sie fort. Die arme Frau ging, rief aber noch zurück: «Weil du so grausam bist, sollst du an den kältesten Ort gehen und mit dem Kessel in der Hand bis in alle Ewigkeit dort bleiben.» Wie die Frau gesagt hatte, so geschah es. Der Bursche wurde auf den Mond verbannt und steht mit seinem Kessel in der Hand noch heute dort.
(Schams)
Quelle: Die drei Hunde, Rätoromanische Märchen aus dem Engadin, Oberhalbstein und Schams. Caspar Decurtins/Ursula Brunold-Bigler/Kuno Widmer, Desertina Verlag, Chur 2020. © Ursula Brunold-Bigler.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch.