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wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Der Falkenfriedhof

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Region: Goms
Kategorie: Sage

Mit dem alten Sennen auf Blasen waren die Ulricher nicht mehr zufrieden und stellten einen jungen aus dem Bernerbiet an, der sich tüchtig zu stellen wusste. Als der Senn auf die Alpe kam war er heiterer Dinge und jodelte nach Herzenslust. Aber es schien, dass sein Frohmut einen Fehler hatte: er kam nicht aus reinem Gewissen. Der Senn wurde krank und lag auf dem Sterbebett. Auf die Frage, wo er begraben werden wolle, antwortete er: «Nirgends anders als auf der schönen Ebene auf Mellingen.» Man staunte, dass der Senn für sein Grab keine geweihte Erde haben wollte; doch man widersprach seinem letzten Willen nicht. Als er gestorben war, begrub man ihn an der bezeichneten Stelle. Alsogleich flog eine Menge Falken herbei, die fort und fort das Grab umkreisten und ein wildes Geschrei erhoben. Die Hirten, welche dies sahen und hörten, gerieten in Schrecken und das Grab des leichtsinnigen Sennen wird bis auf den heutigen Tag der Falkenfriedhof genannt.

ULRICHEN

Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch