Das Kegelspiel
Ein ganz eigenartiger Spuk ging früher in einem Hause in Ernen um. Ungefähr eine Stunde vor dem Angelusläuten am Morgen hörte man eine ganze Gesellschaft in die Stube treten. Die begann ruhig zu tafeln, zu sprechen und zu lachen, und doch verstand man kein Wort. Dann rückten sie die Tische und Stühle zusammen, und ein lustiges, regelrechtes Kegeln begann auf dem Fussboden.
Beim ersten Ton der Betglocke verschwand der Spuk lautlos, und sonderbarerweise war jeder Stuhl am Morgen wieder an seinem Platze, wo man ihn am Abend hingestellt hatte.
Hier soll einst eine Anzahl junger Leute einen Kolatz gehalten haben. Schliesslich gingen sie aber in ihrem Übermut so weit, dass sie mit Käsen und Butterbällen ein Kegeln veranstalteten. Alle diese Leute waren schon zu ihren Lebzeiten verarmt und kehrten nun nach dem Tode zurück, um ihr übermütiges Treiben abzubüssen.
ERNEN
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.