Das Kristallwunder
Meinem Vater selig passierte einmal etwas Besonderes Er war oft oben auf dem Grate des Bettmerhorns; als er einst wieder da stand, sah er sich plötzlich vor einer Höhle und da hingen meterlange Kristalle, er wusste nicht wie viele.
Der Vater hatte einen Handstock bei sich, einen "Krapfenstecken", wie wir sagen. Damit griff er hinein und zog an einem solchen Kristallzapfen, liess aber bald los und dachte bei sich: «Nein, ich breche ihn nur ab; ich hole Meissel und Hammer.»
Nebenbei war mein Vater auch Ofenmacher und beschaffte sich nun im Dorfe diese Instrumente. Wie er damit wieder auf dem Grate war, blieb ihm die Höhle verborgen, so lange er auch suchte und obwohl er den Grat kannte wie seinen Hosensack.
Der Vater selig erzählte das oft, konnte sich das Ereignis aber nie erklären.
BETTEN
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch