Gräfin Anna
In Grengiols erzählte man früher gerne die Geschichte der Gräfin Anna. Sie soll oben auf der Alpe Furggen gewohnt haben. Diese Alpe war ehedem so fruchtbar, dass man die Kühe dreimal am Tage melken musste, und das Gras wurde so gross, dass man ganze Büschel an der Spitze zusammenknüpfen konnte, um auf den Wiesen Fussschlingen zu binden und einander zu necken.
Auf dieser Alpe lebte ein besonders tanzlustiges Volk, das durch keine Verordnungen und Predigten davon abzuhalten war. Einst waren Sennen und Sennerinnen wieder bis in alle Nacht hinein bei ihrem Vergnügen. Da trieb ihnen der Teufel das Vieh weg. Die Gräfin Anna sah es und rief dem tanzlustigen Volke zu:
«Manna, Manna, chumet gschwind und bald,
Ds Veh ischt scho über Rosswald,
Manna, Manna, chumet gschwind und behend,
Jetz ischt miis letschtuscht End!»
Nach dieser Warnung sei die Gräfin tot umgefallen. Dem Ort sagt man noch: Zur Gräfin Anna.
GRENGIOLS
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch