Der Gespensterschleif
Oberhalb der Gemeinde Bister liegt noch heute die prachtvolle Gorneralpe. Früher einmal, als Bister und Filet eine einzige Gemeinde waren, sömmerten sie da oben gemeinsam das Vieh. Aber mit den Jahren gab es Streit, die Gemeinden trennten sich. So musste auch jeder ein Stück Alpe zugeteilt werden. Mitten durch den Stafel wurde von oben nach unten der sogenannte Mittelhag erstellt, den westlichen Teil erhielt die Gemeinde Filet, den östlichen Bister.
Damit war aber nicht jeder Hader beseitigt. Einst am St. Jakobsfest, sollen die jungen Leute aus den beiden Gemeinden beim Tanzen so aneinandergeraten sein, dass dreizehn Streithähne das Leben lassen mussten. Ein Hauptanführer soll auf dem "Kreuzbodi" schon zum Tode verwundet mit seiner Axt dreizehn Kreuze in einen Stein gehackt haben.
Die dreizehn Toten hat man nie mehr gefunden, nur der Name Gespensterschleif erinnert noch heute an ihr Ende. Da war es noch in diesem Jahrhundert lange unheimlich.
BISTER
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch