Beim hohen Haus
Beim "hohen Haus "stand in alten Zeiten eine Herberge. Bis auf den heutigen Tag soll es da nicht recht geheuer sein. Viele wüssten davon zu erzählen.
Einst wetteten zwei übermütige Burschen miteinander, wer dort bei der Wirtin im "hohen Haus" einen halben Liter bestellen dürfte. Einer stand sofort zurück und bekannte, das wage er nun wirklich nicht. Der andere hingegen nahm die Wette an, das mache ihm gar nichts aus.
So gingen sie hin, der Mutige bis an die Gemäuer des alten Wirtshauses; der andere blieb in einiger Entfernung stehen. Und der Couragierte rief auch sogleich mit starker Stimme: «Frau Wirtin, bringt mir eine Kanne Wein!» Und sofort hörte er den Schlüsselbund rasseln, den Schlüssel im Schloss sich drehen, die Türe öffnen und den Wein aus dem Fass in die Kanne sprudeln. Das war ihm aber doch zuviel. Zusammen mit seinem Kollegen machte er sich auf und davon. Darauf wurde er ziemlich schwer krank.
Das hat uns der Vater erzählt.
GLIS
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch