Der Schlappjer
Im Rohrberg besassen die Jesuiten ein Gut. Einer der Patres wird sich wahrscheinlich auch einmal verfehlt haben, denn unsere Mutter erzählte oft, lange nach seinem Tode sei es in seinem Zimmer so unheimlich gewesen, dass man es nicht benützen durfte.
Dieser Jesuit musste jahrelang in den Quatemberwochen als Büssender auf den Simplen wandern. Mein Vater sah ihn einige Male Dieser Mann war schwarz gekleidet und trug einen grossen, schwarzen "Kastorhut".
Einst sahen ihn mehrere Brigerberger, als sie am Abend im Grund waren. Sie fragten ihn, diesen Schlappjer - so nannten ihn die Leute - wie man ihm helfen könne, damit er erlöst werde. Er antwortete: «Wenn ihr so viele Psalter betet, wie ich Schritte machen muss, um auf den Simplon zu gelangen.»
RIED-BRIG
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch