Die Hungersnot
Die Jahre 1816 und1817 waren harte Hungerjahre. Im Jahre 1817 gab es zwar wieder etwas Korn, aber es war so teuer, dass man es lieber verkaufte, um zu etwas Geld zu kommen. Zu jener Zeit säumte man das Korn besonders nach Simplon, weil man von dorther auch das Salz über die Bistinen einführte. Oft konnte man nicht Maultiere genug auftreiben, um Korn hinüber- und Salz zurückzuführen. Der Wein gefror ebenfalls 1817 und wurde so selten und teuer, dass mehrere alte Männer, aus Mangel an diesem stärkenden Getränk, nacheinander gestorben sein sollen, der höchste Weinertrag einer Haushaltung war ein Lagel. Der Wein war aber derart gefroren und unreif, dass man ihn über einem Feuer zum Sieden bringen musste.
Die meisten Haushaltungen landauf und landab litten grossen Hunger. Es war die Zeit, wo die Erdäpfel erst recht zu Ehren kamen. Bis dahin hielt man sie eher als Nahrungsmittel für die Schweine, und es musste sich einer schämen, Erdäpfel auf den Tisch zu setzen. Wer mehr als einen Tragkorb voll einsammelte, erregte allgemeines Gespötte. In den genannten zwei Jahren war auf einmal jeder froh, wenn er auch nur mit Erdäpfeln seinen Hunger stillen konnte.
VISPERTERMINEN
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch