Der Bau der Kinbrücke
Wer von Stalden nach dem Saaser- oder Zermattertal will, muss die alte Brücke bewundern, die in kühnem Bogen die Zermattervispe überspannt. Wieviel Arbeit und Geld diese Brücke kostete, sehen wir daraus, dass man beim Bauen Eier ins Pflaster mischte, damit die Mauer ja fest werde. Weil man wenig Geld besass, wurden die Arbeiter statt mit Geld auch mit andern Wertsachen entlöhnt; man ging so weit, dass jeder Arbeiter am Abend entweder einen Batzen oder ein Fischel Korn nehmen konnte. Schliesslich gingen auch die Batzen und das Korn aus und man hätte die Arbeit einstellen müssen, wenn nicht ein Wahrsager gewusst hätte, in der sogenannten Blattmatte, etwa fünf Minuten unterhalb Törbel, lägen zehn Pfund nach altem Walliser Wert auf einem Haufen. Sofort wurde danach gesucht, und als man die zehn Pfund gefunden hatte, konnte die Brücke fertig gebaut werden.
STALDEN
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch