Eine lange Nacht
ln einem langen, einsamen Alptal sei auch einmal ein verbotener Tanz abgehalten worden. In der ersten Nacht soll mit Öl beleuchtet worden sein. Als dies ausging, wurde mit Tier- und anderm Fett nachgeholfen, bis davon nichts mehr zur Verfügung stand. Da es noch immer Nacht blieb und in der Finsternis nicht zu tanzen war oder wenigstens niemand Courage dazu hatte, so versuchte man mit Schnee zu leuchten. Wohl, es nützte. Und so ging’s neu drauflos, und es wollte noch immer nicht tagen.
Ein Paar war dabei, dem die Sache nun recht rätselhaft schien und das noch etwas Gewissen und Verstand hatte. Sie beschlossen, sich heimlich zu entfernen und heimzugehen. Als sie nun vor dem Hause waren, da sahen sie einen mächtig grossen, schwarzen Vogel auf dem Dachfirst sitzen. Er senkte die langen Flügel zu beiden Seiten übers Dach hinab und schaute hinunter zu den Fenstern. Im Freien war heller Tag, während es in der Tanzstube Nacht war, und dabei waren zwei Tage und deren Nächte vorüber. Ein Paar von denen, die noch im Hause waren, soll nie mehr heimgekommen sein.
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch