Erzählen
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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Aroleid (Josef guntern)

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Region: Zermatt, Visp
Kategorie: Sage

Im Zmuttale wohnte eine Familie mit zahlreichen Kindern. Am Sonntag gingen Vater und Mutter nach Zermatt in die Kirche und liessen unterdessen die Kinder allein. Diese sprangen dann in den umliegenden Wiesen umher. Da geschah es, dass "ds Ari" – so werden die Geier noch heute in Zermatt genannt, plötzlich hinunter auf eines der Kinder schoss, es bei den Kleidern packte und davontrug. Der Knirps aber zappelte so gewaltig und schrie so entsetzlich, dass "ds Ari" es für ratsamer hielt, seinen Raub auf der andern Seite des Zmuttbaches niederzulegen. Der Ort, wo dies geschah, trägt bis heute den Namen Aroleid. Man behauptet, dieser Knabe sei später ein tüchtiger Jäger geworden und habe manchem "Ari" den Garaus gemacht. Nach einer andern Sage heisst es, dass eine Mutter ihren Säugling in das Gras niederlegte, um dem Vieh, das sich zu weit entfernt hatte, nachzueilen. Während ihrer Abwesenheit raubte ein Geier das Kind und trug es davon - auf Nimmerwiedersehen.

ZERMATT

Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch