Erzählen
wirkt Wunder

Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die Pfarrei

Land: Schweiz
Kanton: Wallis
Kategorie: Sage

Nach sagenhaften Erzählungen von alten Leuten soll bereits um 1450 die Pfarrei Grächen gegründet worden sein. Sie ging aber aus unbekannten Gründen wieder ein. So mussten die Toten wieder in Stalden beerdigt werden. Das brachte grosse Gefahren mit sich, denn oft verunglückte der ganze Leichenzug auf der ,Stägjiblattu‘ im schwarzen Loch. Man durfte nämlich nicht den bessern Weg beim ,Grienu Brunno‘ benützen, weil dort der Drachen vom Embdfad herunter die Leute aufgefressen hätte. Das war ein furchtbares Tier. Es befestigte sich mit seinem langen Schwanze an einem Baum und liess sich so bis an die Vispe gleiten.

Diese gefährlichen Zustände führten um 1750 herum zur zweiten Gründung der Pfarrei.

Der Drache wurde schliesslich durch einen Felssturz erdrückt und vernichtet.

Beim Kirchenbau wollte man zuerst auf dem Hohstadulbiel bauen, aber die Werkzeuge lagen jeden Morgen auf dem Platze der heutigen Kirche. Das sahen einzelne als Wink der armen Seelen an und bauten die Kirche weiter oben. Andere freilich behaupteten, die Leute oben im Dorf seien schlauer gewesen und wollten die Kirche bei sich haben.

GRÄCHEN

Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.

Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch