Die Mattmarkhexe
Früher brach der Mattmarksee von Zeit zu Zeit aus und richtete im ganzen Tale grossen Schaden an.
Das letzte Mal wurde allen in Zen Meiggern sieben Scheunen voll Heu vom Wasser weggeführt.
Es stand eine Hexe im Verdacht, den See ausgelassen zu haben. Einige starke Männer gingen in ihr Haus, um sie zur Rede zu stellen. Man überraschte sie beim Rosenkranzgebet. Jedesmal wenn sie ein Körnlein durch die Finger gleiten liess, sagte sie: «Tschappla, schy leentmi scho la gah!» Die Männer packten sie jetzt: «Du bist eine heitere Beterin, diesmal musst du mitkommen!»
Vor Gericht gestand sie: «Ich habe den Mattmarksee ausgelassen und im Lötschental den grössten Schaden angefacht: die grosse Tämbachlawine gebrochen! Es war zwar schön, darauf bergab zu fahren, aber am schönsten war es, auf einem Besenstiel mit dem Wasser vom Mattmarksee bis in den Genfersee zu reiten!»
Auf dem Wege zum Richtplatz in Visp musste man sie rücklings aufs Pferd setzen. Sonst hätte man sie bei Eisten nicht durchs Tal gebracht, und sie hätte die Gegend verhext.
SAAS-ALMAGELL
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch