Der erste Kaffee
Ein Ausserberger ging einmal nach Visp in einen Kramladen und kaufte ein Pfund Kaffee. Zu Hause musste ihm seine Frau sofort einen Kaffee brauen. Sie warfen eine Anzahl der grünen Bohnen in das heisse Wasser und liessen sie kochen und – kochen. Aber die Bohnen wollten nicht weich werden. Am nächsten Tag versuchten sie es nochmals, aber die Bohnen blieben immer gleich hart und das Getränk war "lütter Wasser". Verdrossen warf die Frau die Bohnen samt Getränk zum Fenster auf die Wiese hinaus. Als der Bauer das nächste Jahr wieder nach Visp kam, erklärte er dem Krämer, der Kaffee sei nicht gut gewesen, er wolle keinen mehr, die Bohnen seien beim Kochen gar nicht weich geworden; im Überdruss habe er sie zum Fenster hinausgeworfen, und als er letztes Frühjahr das Gras gemäht habe, hätten die Bohnen noch "ggrääret" (an der Sense geklingelt).
AUSSERBERG
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch