Das Bürgerrecht der Salzgeber
Wie die Sage berichtet, war die Familie Salzgeber mit andern Wallisern nach Vorarlberg ausgewandert. Später kehrte ein Zweig dieser Walser Familie ins Land zurück, liess sich in Raron nieder und bewarb sich um das Burgerrecht. Die Rarner wollten nun der Familie das Bürgerrecht aber nur verleihen unter der Bedingung, dass einer von ihnen das Bietschhorn besteige.
Das war keine leichte Aufgabe für jene Zeit, aber zwei Brüder der Familie unternahmen das Wagnis. Als Schmiede hatten sie sich bald Eisenbolzen zurechtgemacht, und mit Seilen ausgerüstet, stiegen sie an einem schönen Sommermorgen in die Südwand ein. Durch Kamine und über Gräte kletterten sie vorerst ohne Schwierigkeiten im zerbröckelnden Gestein. Wo der Granitfelsen steiler wurde, schlugen sie ihre Bolzen ein und befestigten die Seile daran. So erreichten sie die Spitze.
Die kühnen Bergsteiger kamen heil zurück, erklärten aber, sie würden das Wagnis nicht mehr unternehmen. Die Eisenbolzen sollen noch heute in der Südwand zu sehen sein.
RARON
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch