Der Geist im Pfarrkeller
In früheren Zeiten soll ein ruhelos umherirrender Geist die Umgebung des Pfarrhauses zu Raron unsicher gemacht haben, so dass einige Jahrzehnte hindurch die Pfarrer von Raron ziemlich häufig wechselten und das sonst ansehnliche Benefizium recht verrufen war. Zu Anfang des neunzehnten Jahrhunderts getraute sich sogar der damalige Kilchherrr nicht, auf der Burg Wohnung zu nehmen, sondern wohnte im Dorfe. Sein Amtsbruder im benachbarten Niedergesteln, einer, der mehr als Brot essen konnte, wie es unter dem Volke hiess, anerbot sich nun, den Geist zu bannen.
Das Anerbieten wurde vom Pfarrer in Raron freudigst angenommen, und der Prior von Gesteln bannte den Ruhestörer in eine Weinflasche, worauf diese in die Wand des Pfarrweinkellers eingemauert wurde.
RARON
Quelle: Walliser Sagen, gesammelt und herausgegeben von Josef Guntern, Olten 1963, © Erbengemeinschaft Josef Guntern.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung auf www.maerchenstiftung.ch