Der Hexentanz
In Nidwalden lebte ein Spielmann, der beim Volke als fröhlicher Tanzgeiger sehr beliebt war und bei keiner Lustbarkeit fehlen durfte. Einst kam er spät in der Nacht von der „Kilbe" in Wolfenschiessen. Da begegnete ihm jemand, der ihn fragte, ob er zu einem Tanze kommen wolle, um aufzuspielen. Er sagte zu und - schon befand er sich in einem prachtvollen Saale. Da musste er einer grossen, herrlich gekleideten Gesellschaft seine Fiedel tönen lassen. Plötzlich hörte er von Talwil her das Glöcklein zur Frühmesse läuten und beim ersten Klange verschwand alles vor seinen Augen. Er aber sass mitten im Dornengebüsch beim sogenannten Hexentanze über dem Kohlentobel am Wege nach Rikenbach. Dieser Platz ist ein grosser Kreis von ganz roter Erde, der mitten aus dem grünen Alpboden absticht. In der Walburgisnacht geht es da unter dem Hexenchor sehr bunt her.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.