Die Pfaffenkellerin
a) Wenn bei Horw und Kriens Türst und Streggelen jagen, indem eine Schar kleiner Hunde einem grossen, einäugigen bellend oder kläffend folgte, so ist allemal die Pfaffenkellerin dabei; sie hat schreckhaftes Aussehen, glühende Augen und zottigen Pelz. Ihr Name haftet noch an einem Bachtobel beim Dorfe Horw.
b) Sie wütet, wenn die Steiner Aa bei Schwyz überflutend und tosend dahertobt, und im Sisigerbach, wenn er in gleicher Art anschwillt.
c) In Stansstad, auf dem Riede gegenStans zu, durchzieht sie in wilden, stürmischen Nächten mit grauenhaftem Wehgeschrei die sumpfige Fläche. Sie soll einst vom sogenannten Palmkäppeli (am Bürgen, eine Viertelstunde von Stansstad) einen Sprung getan haben bis zu einer Brücke in der Näbe des Rotzloches, also über 20 Minuten weit. Noch trägt die Brücke das Mal davon. Wo die Unselige absetzte, drückte sie den Geissfuss in den Stein, so dass der Abdruck noch sichtbar ist.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.