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Die Stiftung für Märchen und Erzählkultur

Die schatzhütende Nonne von Schönbrunn

Land: Schweiz
Kanton: Zug
Region: Menzingen
Kategorie: Sage

Im „Chiteboden" unterhalb der Kapelle zu Schönbrunn im Kanton Zug war einst ein Nonnenkloster. Jetzt ist alles davon vcrschwunden, nur eine Sage hat in diesen Boden ihre Wurzeln gesenkt.

In irdenem Gefäss ist daselbst in der Tiefe ein Schatz vorhanden, den eine Nonne hüten muss. Im Zeitraum eines Jahrhunderts wird derselbe allmählich höher und höher hinaufgerückt, so dass er endlich ganz oben auf kommt und enthoben werden kann. Doch wer dieses tun will, darf während der ganzen Handlung kein Wort sprechen. Zwei Männer aus der Gegend waren einst an diesem Geschäft, da sah einer davon in der Richtung der Kapelle eine Prozession herankommen und verwundert sagte er zu seinem Gehilfen: „Schau dort!" und der Schatz versank in die Tiefe, wobei die Nonne seufzend gestand, dass sie nun erlöst worden, hätte er das Schweigen beobachtet. Jetzt müsse sie wieder 100 Jahre zuwarten, bis ein anderer Moment komme, wo ihr geholfen werden könne.

Die Prozession war gleichzeitig verschwunden.

Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.