Das Kriegsheer im Giswilerstocke
Die neue Brünigstrasse führt jetzt viel tausend Fremde nah am Fusse des genannten Berges im idyllischen, lieben Obwaldnerlande vorüber. Ein Geisbub, der einst hier die Ziegen hütete, sah im Felsen eine Öffnung, empfand den Wunderfitz und begab sich hinein. Vorwärts schreitend gelangte er auf diesem felsigen Höhlenweg und plötzlich zu einem weiten Feld, das ringsum von hohen Felsen abgeschlossen war. Hier lagerte ein starkes Kriegsheer. Wie der Hirt das Feld betrat, kam ein Offizier auf ihn zu, der ihm alles zeigte und zuletzt die merkwürdige Enthüllung gab: „Wir sind hier da, um dereinst aufzubrechen, zu kommen und die Christen zu retten.“ Nun hiess er den Knaben wieder gehen und als dieser später mit andern Leuten die geheimnisvolle Felsenspalte wieder suchen wollte, fand er sie nicht mehr.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.