Beulentod und Totenschar
Von 1610 bis 1612 wütete in der Schweiz eine furchtbare Pest, der Beulentod. Die Häuser, worin Angesteckte waren, wurden um Schwyz herum „gebannt und vernagelt". Von Aussen liess man den unglücklichen Bewohnern die Nahrung und alles Nötige durch eine Öffnung darreichen, welche man zu diesem Zwecke im oberen Teil des Hauses gemacht hatte. Noch lange hernach bemerkte man an manchen Häusern solche Löcher. Im Kirchgang Schwyz allein sollen damals 3600 Personen gestorben, einmal 99 Jungfrauen mit einander in das gleiche Grab versenkt worden sein. Die Sage meldet, eine Stimme habe endlich aus den Lüften herab gerufen: „Esset Strenzen und Bibernellen, auf dass ihr nicht alle umkommt!" Mit dem Winter 1612 hörte die Plage auf. Um diese Zeit hatte ein Mann zu Schwyz, andere sagen zu Arth, eine seltsame Erscheinung. Eines Morgens beim Ankleiden sah er bei der nahen Kirche einen grossen Leichenzug, alle Teilnehmenden schwarz gekleidet, nach dem Friedhof wallen und sich selbst, so wie er eben war, mit einem Strumpfe über der Achsel den Zug beschliessen. Er mutmasste daraus, dass er der letzte an dieser Seuche sterben werde, was auch geschah.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.