Der Grenzstein oder Markstein im Sagewald
Im Sagewald bei Römerswil haben vor mehr als fünfzig Jahren junge Bursche Kugeln getröllt. Wie sie fertig waren und die siegende Partei wie üblich ein lustiges Jauchzen und „Hohlen" erschallen liess, da hob unweit von ihnen im Waldtobel ein Stöhnen und Ächzen an und endlich hörte man die Worte: „O Götti, Götti!" Bald erschien im Gestrüpp eine wüste Mannesgestalt mit einem schweren Markstein auf der Achsel. „Zur christlichen Seel' hab ich dir verholfen; hilf mir du, Götti, jetzt auch zur seligen Seel", sprach der Geist zu einem aus der Schar, dem sein Taufpate nicht mehr lebte. Dann fuhr er fort: „Setz einen Markstein zehn Schritte von hier weiter hinein in den Wald und lasse ihn zehn Jahre stehen, hernach soll derselbe wieder an dieses Plätzchen kommen", wobei der „Wandelnde" die Stelle bezeichnete. Sogleich wurde im Seidenberg eine Schaufel geholt und der Wunsch der armen Seele erfüllt. Beim Scheiden wollte der Geist dem Götti die Hand reichen, doch der hielt den Schaufelstiel hin, an dem darauf deutlich die Brandspuren sichtbar waren.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.