Der Geist im Kalkofen und seine Erlösung
Intschi heisst ein Weiler an der urnerischen Gotthardstrasse zwischen Amsteg und Wassen. Dahin gehört die Intschialp auf der Mittagseite des Arniberges, welche sich zwischen Leutschachalp und Gornern hinanzieht. In dieser Alp ist ein uralter Kalkofen, so alt, dass seine Entstehung in Wilhelm Tells Zeiten versetzt wird. Als die „Grafen" von Silenen ihr Schloss drunten in der Nähe von Amsteg erbauten, liessen sie hier den Kalk brennen. Einige Zeit lang stand hernach der Ofen müssig da und währenddem nahm ein Geist seinen Wohnsitz darin. Endlich sollte er wieder gebraucht werden. Viele Leute hatten nun mit der darinnen festgebannten Seele herzliches Mitleiden, betrachteten die Ofenglut als Fegfeuer derselben, kamen herbei, knieten nieder und beteten um Erlösung für sie. Wirklich, wie der Kalk bald gebrannt war, kam der Geist, den Betenden sichtbar, ganz weiss zum Feuerloch auf einem Brett gehend heraus. Seine Fusstritte auf selbigem Brett wollte das Volk noch hundert Jahre nachher zeigen und jetzt noch lebt die Sage im frischen Andenken.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865. Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch.