Das Bleiki-Muoterli
Oberhalb Schönbrunnen, an der neuen Landstrasse von Ägeri gegen Hinterburg zwischen Bethlehem und dem sogenannten Loch, ist ein Stück Land mit einer Scheune, so zum Hofe Schönbrunnen gehört, die Bleiche genannt. Dort sah man zuweilen - noch in jüngster Zeit bei Nacht ein Gespenst. Eine weibliche Gestalt, schwarz von Gesicht, in weissem Gewande mit einem Strohhut auf dem Kopf, kam von der sogenannten „Wösch" einem Walde zwischen Bethlehem und Edlibach her - oft mit einem Lichte. Noch in den dreissiger Jahren wurde ein junger Bursche von Sch. durch den Anblick des sogenannten „Bleiki- Muoterli" so erschreckt, dass er einige Zeit krank wurde, worauf an dem Orte ein Exorzismus durch Pf. W. von M. vorgenommen wurde. - Vor etwa 30 Jahren ging N. Z. als kleiner Knabe mit seinem Vater bei der Bleiche vorbei, sah das Gespenst mit einem blauen Lichtlein und schloss sich ängstlich an den Vater an, der aber nichts sah.
Man sagt, in neuerer Zeit habe ein Obstdieb in Gestalt des Bleiki-Mutterli die Runde um die Bäume gemacht.
Quelle: Alois Lütolf, Sagen, Bräuche, Legenden aus den fünf Orten Luzern, Uri, Schwyz, Unterwalden und Zug, Luzern 1865.
Eingelesen von der Mutabor Märchenstiftung, www.maerchenstiftung.ch